Im Grundkurs (Modul 8) hast du das Top-Down-Prinzip kennengelernt: erst das übergeordnete Intervall, dann das Setup, dann der Entry. In dieser Profi-Phase machst du daraus ein handfestes Regelwerk — die 3-Timeframe-Regel. Sie ist das Skelett, an dem alles hängt, was du in den Phasen 1 bis 3 gelernt hast.
Die drei Ebenen und ihre Aufgaben
Jede Zeitebene hat genau eine Aufgabe. Verwechselst du sie, entstehen die typischen Anfängerfehler: Entry auf dem Wochenchart suchen (zu grob), Trend auf dem 5-Minuten-Chart bestimmen (zu nervös). Die saubere Aufteilung:
Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar: HTF-Bias zuerst, dann das MTF-Setup, dann der LTF-Trigger. Wer von unten nach oben arbeitet, verliebt sich in jeden Mikro-Move und ignoriert, dass der große Trend dagegensteht.
Timeframe-Alignment — alle drei zeigen in dieselbe Richtung
Ein A+-Trade entsteht nur, wenn die drei Ebenen ausgerichtet sind (Alignment). Beispiel Long: Der HTF zeigt einen intakten Aufwärtstrend (höhere Hochs, höhere Tiefs), der MTF liefert einen Pullback an eine Unterstützung, und der LTF zeigt eine Umkehrkerze mit Volumen. Drei Ebenen, ein Argument — das ist Confluence über die Zeit.
Sobald eine Ebene widerspricht, sinkt die Trefferquote. Ein Long-Setup auf dem MTF gegen einen fallenden HTF ist ein Counter-Trend-Trade: möglich, aber mit kleinerer Größe und engerem Stopp. In der Aufbauphase deiner Trading-Karriere handelst du nur Trades, bei denen alle drei Ebenen zustimmen.
Die Faustregel zum Verhältnis: 1:4 bis 1:6
Welche konkreten Intervalle nimmst du? Die bewährte Faustregel: jede nächsthöhere Ebene umfasst etwa das Vier- bis Sechsfache der darunterliegenden. Liegt das Verhältnis enger (z. B. 1:2), siehst du auf beiden Charts fast dasselbe — der Mehrwert verpufft. Liegt es weiter (z. B. 1:20), verlierst du den Kontext, weil eine HTF-Kerze einen ganzen LTF-Trade verschluckt.
| Stil | HTF (Bias) | MTF (Setup) | LTF (Trigger) | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|
| Position (Wochen/Monate) | Monat | Woche | Tag | ~1:4 / 1:5 |
| Swing (2–10 Tage) | Woche | Tag | 4 Stunden | ~1:5 / 1:6 |
| Intraday | 4 Stunden | 1 Stunde | 15 Min | ~1:4 |
| Scalp | 1 Stunde | 15 Min | 3 Min | ~1:4 / 1:5 |
Wohin gehören die Profi-Werkzeuge der Phasen 1–3?
Jedes Werkzeug dieses Kurses lebt auf einer bestimmten Ebene — und genau dort entfaltet es seine Aussagekraft:
- Volume Profile (Phase 1) gehört primär auf den MTF. Du liest dort, wo die akzeptierten Preiszonen liegen (HVN = High Volume Node) und wo der Markt nur durchgerast ist (LVN = Low Volume Node). Diese Knoten markieren deine Setup-Zonen und späteren Ziele.
- Wyckoff-Phase (Phase 2) gehört auf den HTF. Akkumulation oder Distribution beantwortet die Bias-Frage: Sammeln die starken Hände ein (bullish) oder verteilen sie (bearish)? Eine Phase-Diagnose auf dem 5-Minuten-Chart ist sinnlos — Wyckoff braucht Wochen.
- Marktbreite / Breadth (Phase 3) ist ein HTF-Filter über dem gesamten Markt. Sie sagt dir nicht, wann du in eine Einzelaktie einsteigst, sondern ob das Umfeld dein Long überhaupt trägt. Breite Beteiligung stützt den Bias, Divergenz mahnt zur Vorsicht.
- Der LTF-Trigger bleibt klassische Charttechnik aus dem Grundkurs: Kerzenmuster, Mikro-Struktur, Reclaim eines Levels.
Praxis-Tipp: Lege dir die drei Charts physisch nebeneinander (geteilter Bildschirm). Wenn du den LTF anschaust, soll der HTF immer im Augenwinkel bleiben — sonst vergisst du den Bias in der Hitze des Moments.