Kampagnen verbinden: Du bestimmst, was zusammengehört

Ein Roll über Nacht, und sTraderZ.com zeigt einen Verlierer und einen Gewinner statt eines Ergebnisses. So verbindest du die beiden Kampagnen, so ändern sich Rendite und Jahresrendite, und so erkennst du, wann sich Verbinden lohnt und wann nicht. Mit zwei durchgerechneten Beispielen.

Matthias 10 Min. Lesezeit 💬 0 Kommentare
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Ereignistabelle einer verbundenen SPY-Kampagne: vier Ereignisse, dazwischen die Naht-Zeile „Verbunden ab 20.03.26 · 1 Tag Pause“, Summe +344,80 $
Zwei Kampagnen, ein Vorhaben: der Roll über Nacht aus dem ersten Beispiel, verbunden.
Inhalt
  1. Beispiel 1: ein Roll über Nacht
  2. Warum die Automatik hier trennt
  3. So verbindest du zwei Kampagnen
  4. Was sich ändert und was gleich bleibt
  5. Beispiel 2: dieselbe Idee nach einer Pause
  6. Wann du verbinden solltest und wann nicht
  7. Vorteile und Nachteile
  8. Was nicht geht
  9. Die Verbindung wieder aufheben
  10. Das Wichtigste

Du rollst einen Short Put, der gegen dich gelaufen ist, über Nacht in einen neuen, und am Ende hat sich der Roll gelohnt: +344,80 $. In sTraderZ.com stehen danach aber zwei Kampagnen, ein Verlierer mit −272,60 $ und ein Gewinner mit +617,40 $. Für dich war es ein Vorhaben, für die Automatik waren es zwei.

Mit Kampagnen verbinden machst du daraus wieder eins. An diesem Roll siehst du, warum die Automatik trennt, wie du verbindest und was sich in den Kennzahlen ändert. Ein zweites Beispiel zeigt, warum die Rendite einer verbundenen Kampagne steigt und ihre Jahresrendite trotzdem sinken kann. Danach folgen eine Faustregel, wann sich Verbinden lohnt, die Grenzen und das Aufheben. Alle Beispiele stammen aus einem Testkonto mit frei erfundenen Trades.

Beispiel 1: ein Roll über Nacht

Am 3. März verkaufst du einen SPY-Put mit Strike 560 und Verfall 17. April für 6,40 $ Prämie. Der Kurs läuft gegen dich, am 19. März kaufst du den Put für 9,10 $ zurück. Am nächsten Handelstag, dem 20. März, verkaufst du einen neuen Put mit Strike 550 und Verfall 15. Mai für 8,30 $ und kaufst ihn am 24. April für 2,10 $ zurück.

Ohne Verbindung zeigt sTraderZ.com zwei Kampagnen:

  • Erste Kampagne (3. bis 19. März, 16 Tage): (6,40 − 9,10) × 100 = −270 $, nach 2,60 $ Gebühren −272,60 $. Risiko 55.360 $, Jahresrendite −11,23 %.
  • Zweite Kampagne (20. März bis 24. April, 35 Tage): (8,30 − 2,10) × 100 = +620 $, nach Gebühren +617,40 $. Risiko 54.170 $, Jahresrendite +11,89 %.

In jeder Auswertung auf Kampagnen-Ebene steht damit ein Verlierer neben einem Gewinner, obwohl der Roll sich gelohnt hat.

Warum die Automatik hier trennt

Eine Kampagne fasst alles zusammen, was zu einem Vorhaben auf einen Basiswert (Underlying) gehört: die Legs eines Spreads, Rolls über mehrere Verfälle oder ein komplettes Wheel. Darunter liegen Zyklen: Ein Zyklus verfolgt ein einzelnes Instrument, etwa einen Put mit Strike und Verfall, von der Eröffnung bis zur Schließung.

Wo eine Kampagne endet, entscheidet eine einfache Regel: Ist am Ende eines Handelstags auf einen Basiswert nichts mehr offen, weder Aktien noch Optionen, endet die Kampagne. Was du danach eröffnest, beginnt eine neue, auch wenn es schon am nächsten Tag ist. Am Abend des 19. März warst du flach, also begann am 20. März eine neue Kampagne.

Hättest du den neuen Put am 19. März innerhalb von vier Stunden nach dem Rückkauf verkauft, hätte die Automatik das als Roll erkannt, und alles wäre eine Kampagne geblieben. Dieselbe Regel sorgt dafür, dass jemand, der täglich 0DTE handelt (Optionen, die am selben Tag verfallen) und abends flach ist, eine Kampagne je Handelstag bekommt. Ein Wheel, bei dem du die Aktien weiter hältst, läuft dagegen ohne Unterbrechung weiter.

Die Automatik schneidet nach festen Regeln. Du entscheidest, was für dich ein Vorhaben ist.

So verbindest du zwei Kampagnen

  1. Öffne im Tradelog eine Zeile, die zu einer der beiden Kampagnen gehört, im Beispiel den SPY-Put vom 3. März. Wechsle im Fenster auf den Reiter „Kampagne“.
  2. Klicke im Fuß des Fensters auf „Kampagnen verbinden“. Der Button erscheint nur, wenn es im selben Konto eine weitere Kampagne auf denselben Basiswert gibt. Das Fenster wechselt in den Verbinden-Modus; mit „Verbinden abbrechen“ kommst du wieder heraus.
  3. Klicke in der Ereignistabelle bei irgendeinem Ereignis auf „Mit anderer Kampagne verbinden …“. Die Oberfläche nennt dieses Ereignis „Verbindungspunkt“. Welches du nimmst, ist egal.
  4. Wähle im Dialog die Zielkampagne über ihren Auswahlknopf, hier die zweite SPY-Kampagne. Erst danach zeigt die Vorschau Zeitraum, Pause und Ergebnis vor und nach dem Verbinden. Mit „Verbinden“ bestätigst du.
Reiter „Kampagne“ der ersten SPY-Kampagne mit dem orange markierten Button „Kampagnen verbinden“ unten im Fenster
Schritt 1 und 2: der Reiter „Kampagne“ und, orange markiert, der Button „Kampagnen verbinden“ im Fuß des Fensters.
Ereignistabelle im Verbinden-Modus mit Hinweisleiste und einer Schaltfläche „Mit anderer Kampagne verbinden …“ je Zeile
Schritt 3: Im Verbinden-Modus hat jedes Ereignis die Zeilenaktion „Mit anderer Kampagne verbinden …“.
Dialog „Kampagnen verbinden“ mit der zweiten SPY-Kampagne als Ziel und einer Vorschau: −272,60 $ und +617,40 $ ergeben +344,80 $
Schritt 4: Der Dialog bietet nur Kampagnen auf denselben Basiswert an und zeigt vorab, wie das Ergebnis aussieht.

Was sich ändert und was gleich bleibt

Nach dem Verbinden ist aus den beiden Kampagnen eine geworden. Im Beispiel:

  • Ergebnis: Die Ergebnisse addieren sich. −272,60 $ + 617,40 $ = +344,80 $, die Gebühren auf 4 × 1,30 $ = 5,20 $.
  • Zeitraum: Die Kampagne läuft vom Start der früheren bis zum Ende der späteren, hier vom 3. März bis zum 24. April, also 52 Tage. Die Pause zählt mit: die Tage vom Schließen der ersten bis zur Eröffnung der zweiten Kampagne, hier vom 19. auf den 20. März, also 1 Tag.
  • Risiko: Es wird nicht addiert. Für eine Kampagne zählt das größte Risiko, das eine ihrer Strategien hatte, hier 55.360 $ aus dem ersten Put (der zweite kam auf 54.170 $).
  • Rendite: +344,80 $ ÷ 55.360 $ = +0,62 %. Die Jahresrendite rechnet auf die 52 Tage: 0,623 % × 365 ÷ 52 = +4,37 %. Die Einzelkampagnen kamen auf −11,23 % und +11,89 %.
  • Ansicht: Die Ereignistabelle zeigt beide Teile untereinander, dazwischen die Naht-Zeile „Verbunden ab 20.03.26 · 1 Tag Pause“. Das Kennzeichen „Verbunden“ erscheint im Reiter und im Tradelog.

Was gleich bleibt

  • Der Tradelog: Jede Zeile dort ist eine Strategie, ein einzelner Put ebenso wie ein Spread mit zwei Legs. Die Zeilen und ihre Ergebnisse bleiben, wie sie sind; hinzu kommt nur das Kennzeichen „Verbunden“. Der Tradelog zeigt die Ergebnisse vor Gebühren (−270 $ und +620 $), die Kampagne nach Gebühren.
  • Tags, Journal-Einträge und Labels bleiben, wo sie sind.
  • Die Verbindung hält bei jeder Neuerkennung.
Tradelog, gefiltert auf SPY: zwei Zeilen mit −270 $ und +620 $, beide mit dem Kennzeichen „Verbunden“
Im Tradelog behalten beide SPY-Zeilen ihr Ergebnis vor Gebühren und tragen jetzt das Kennzeichen „Verbunden“.

Beispiel 2: dieselbe Idee nach einer Pause

Auf QQQ handelst du einen Bull Put Spread 480/470: Am 3. Februar verkaufst du den 480er-Put für 5,10 $ und kaufst den 470er für 2,60 $, nimmst also 2,50 $ Prämie ein. Das Risiko ist (480 − 470) × 100 − 250 = 750 $. Am 24. Februar kaufst du den Spread für 0,75 $ zurück. Am 17. März eröffnest du denselben Spread auf den nächsten Verfall, diesmal für 2,40 $ Prämie (Risiko 760 $), und kaufst ihn am 14. April für 0,60 $ zurück. Vom Schließen am 24. Februar bis zur neuen Eröffnung am 17. März sind es 21 Tage Pause, also macht die Automatik zwei Kampagnen daraus.

  • Einzeln: (2,50 − 0,75) × 100 − 4 × 1,30 = +169,80 $ auf 750 $ Risiko sind +22,64 % in 21 Tagen (Jahresrendite +393,50 %). Der zweite Lauf bringt +174,80 $ auf 760 $, also +23,00 % in 28 Tagen (+299,82 %).
  • Verbunden: +344,60 $ auf 760 $ Risiko sind +45,34 %. Der Zeitraum reicht vom 3. Februar bis zum 14. April, das sind 70 Tage: 45,342 % × 365 ÷ 70 = +236,43 % pro Jahr.

Die Rendite steigt, weil sich die Ergebnisse addieren, das Risiko aber beim größten Einzelwert bleibt: Die beiden Läufe nutzen nacheinander dasselbe Kapital. Die 45 % sind deshalb keine bessere Kampagne, sondern zwei Läufe zusammengezählt, und mit der Rendite einer einzelnen Kampagne nur eingeschränkt vergleichbar. Die Jahresrendite sinkt trotzdem, weil die 21 Tage Pause jetzt zum Zeitraum gehören.

Wann du verbinden solltest und wann nicht

Als Faustregel: Verbinde, wenn die zweite Eröffnung eine Reaktion auf die erste war. Der Roll über Nacht ist so ein Fall: Ohne den verlorenen ersten Put hättest du den zweiten nicht verkauft. Lass getrennt, wenn du neu entschieden hast. Hast du nach einer Pause die Lage neu bewertet und dich frisch für einen Trade entschieden, sind es zwei Vorhaben, auch wenn sie gleich aussehen.

Beim QQQ-Beispiel liegt die Entscheidung also bei dir: War der zweite Spread von Anfang an als Fortsetzung geplant, verbinde. War er eine neue Entscheidung, lass die Kampagnen getrennt.

Vorteile und Nachteile

Das spricht fürs Verbinden

  • Du siehst das Gesamtergebnis eines Vorhabens an einer Stelle, statt es aus mehreren Kampagnen zusammenzurechnen.
  • Ein Roll über Nacht erscheint nicht mehr als Verlust plus Gewinn, sondern als ein Ergebnis.
  • Deine Entscheidung bleibt bei jeder Neuerkennung erhalten.
  • Du kannst sie jederzeit zurücknehmen.

Das solltest du bedenken

  • Kennzahlen ändern ihre Bedeutung: Ergebnis und Gebühren addieren sich, Risiko, Rendite und Jahresrendite beziehen sich auf die verbundene Kampagne als Ganzes. Die Pause zählt zum Zeitraum.
  • Auswertungen auf Kampagnen-Ebene ändern sich: Es gibt weniger, dafür größere Kampagnen.
  • Das Aufheben baut den Basiswert neu auf und ist nicht in jedem Fall ein exaktes Zurück (siehe unten).

Was nicht geht

  • Verschiedene Basiswerte: Verbinden geht nur für Kampagnen auf denselben Basiswert im selben Konto. Der Dialog bietet andere gar nicht an; ein Vorhaben über SPY und SPX bleibt zwei Kampagnen.
  • Teile einer Kampagne: Du verbindest immer ganze Kampagnen. Eine Kampagne an einem frei gewählten Punkt zu teilen, gibt es nicht.
  • Gelöschter Verbindungspunkt: Wird der Trade gelöscht, an dem die Verbindung hängt, greift sie bei der nächsten Neuerkennung nicht mehr.

Die Verbindung wieder aufheben

  1. Öffne im Tradelog eine Zeile der verbundenen Kampagne und wechsle auf den Reiter „Kampagne“.
  2. Über der Ereignistabelle steht der Abschnitt „Verbindungen dieser Kampagne“. Klicke dort auf „Verbindung aufheben“.
  3. Bestätige die Rückfrage mit „Verbindung aufheben“. sTraderZ.com trennt die Kampagnen sofort und erkennt sie neu.
Reiter „Kampagne“ der verbundenen SPY-Kampagne mit dem Abschnitt „Verbindungen dieser Kampagne“ und dem Button „Verbindung aufheben“
Schritt 2: der Abschnitt „Verbindungen dieser Kampagne“ über der Ereignistabelle mit dem Button „Verbindung aufheben“.
  • Neu erkannt wird nur der betroffene Basiswert. Andere Kampagnen im Konto bleiben unberührt.
  • Bei sehr großen Konten kann das bis zu einigen Minuten dauern. Die Rückfrage weist darauf hin.
  • In einfachen Fällen wie dem SPY-Roll kommen die ursprünglichen Kampagnen mit denselben Kennzahlen zurück. Roll-Ketten entstehen dabei neu und sind nicht in jedem Fall identisch mit dem Stand vor dem Verbinden.
  • Tags, Journal-Einträge und Labels bleiben erhalten.

Das Wichtigste

  • Die Automatik beendet eine Kampagne an jedem Tag, an dem du auf einen Basiswert flach bist. Ein Roll über Nacht wird so zu zwei Kampagnen.
  • Verbinde, wenn die zweite Eröffnung eine Reaktion auf die erste war. Dann zeigt eine Kampagne das ganze Ergebnis.
  • Ergebnis und Gebühren addieren sich, das Risiko nicht. Deshalb steigt die Rendite, während die Pause die Jahresrendite drückt.
  • Jede Verbindung lässt sich mit „Verbindung aufheben“ zurücknehmen.

Zum Tradelog

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