💡 Geschichte: Die Chicago Board of Trade (CBOT) wurde 1848 gegründet — ausschließlich für Getreide. Farmer aus dem Mittleren Westen brauchten einen zentralen Ort, um Mais und Weizen zu Festpreisen vor der Ernte zu verkaufen. Heute bestimmt das Wetter im US-Midwest zusammen mit drei zentralen USDA-Reports die halbe globale Getreide-Preisbildung — von Brotpreisen in Ägypten bis zu Futterkosten in China.
CBOT-Kontrakte im Überblick
| Kontrakt | Ticker | Größe | Tick | Tick-Value | Monate |
|---|---|---|---|---|---|
| Corn | ZC | 5.000 Bushels | $0,0025 | $12,50 | H K N U Z |
| Soybean | ZS | 5.000 Bushels | $0,0025 | $12,50 | F H K N Q U X |
| Wheat (SRW) | ZW | 5.000 Bushels | $0,0025 | $12,50 | H K N U Z |
| KC Wheat (HRW) | KE | 5.000 Bushels | $0,0025 | $12,50 | H K N U Z |
| Spring Wheat | MW | 5.000 Bushels | $0,0025 | $12,50 | H K N U Z |
| Oats | ZO | 5.000 Bushels | $0,0025 | $12,50 | H K N U Z |
| Soybean Meal | ZM | 100 short tons | $0,10 | $10 | F H K N Q U V Z |
| Soybean Oil | ZL | 60.000 lbs | $0,0001 | $6 | F H K N Q U V Z |
| Rice | ZR | 2.000 cwt | $0,005 | $10 | F H K N U X |
Wheat-Varianten
Nicht alle Weizenkontrakte sind gleich — sie unterscheiden sich in Klasse, Anbauregion und Verwendungszweck:
- SRW — Soft Red Winter (ZW, CBOT): Der Standard-Weizenkontrakt. Angebaut in Illinois, Ohio und den östlichen Bundesstaaten. Weicher Weizen mit niedrigem Proteingehalt — geeignet für Cracker, Kekse und leichtes Gebäck (Cookie-Qualität).
- HRW — Hard Red Winter (KE, KCBT/CME): Angebaut in Kansas, Oklahoma, Texas und dem Great Plains. Höherer Proteingehalt als SRW — die Standardqualität für Brotmehl. Der Kansas City Wheat-Future (KE) ist das Referenzinstrument für diesen Markt.
- Spring Wheat (MW, MGE): Angebaut in Minnesota und den Dakotas, geerntet im Herbst. Höchster Proteingehalt aller Weizensorten — Premiumqualität für Brotbäcker und Blending mit schwächeren Weizensorten.
Der HRW-SRW-Spread (KE minus ZW) ist ein etablierter Trading-Indikator: Ein ausgeweiteter Spread signalisiert relativen Premiumdruck auf Brotweizen, etwa durch Dürre in den Plains oder erhöhte Exportnachfrage.
Soybean-Komplex & Crush-Spread
Sojabohnen werden in zwei wertvolle Produkte verarbeitet: Soybean Meal (Tierfutter, Proteinquelle) und Soybean Oil (Speiseöl, Biodiesel). Die Faustregel: 1 Bushel Bohnen → 44 lbs Meal + 11 lbs Oil.
Daraus ergibt sich der klassische Crush-Spread: die Differenz zwischen dem kombinierten Wert der Produkte und dem Preis der Rohbohnen. In der Praxis:
- Long Crush: Long Meal (ZM) + Long Oil (ZL) − Short Soybean (ZS). Profitiert, wenn die Verarbeitungsmarge steigt — z. B. bei hoher Tierfutternachfrage oder Biodiesel-Förderung.
- Reverse Crush: Umgekehrte Position. Profitiert, wenn die Rohbohnenbasis gegenüber den Produkten steigt — z. B. bei starker chinesischer Import-Nachfrage für ganze Bohnen.
Der Crush-Spread ist für Crushing-Unternehmen (ADM, Bunge, Cargill) ein zentrales Hedging-Instrument und für Trader ein fundamentaler Indikator für die Rentabilität des Sojasektors.
WASDE (World Agricultural Supply and Demand Estimates) — monatlich, 8.–12., 12:00 ET. Größter planmäßiger Mover für alle Getreide- und Ölsaat-Futures. Enthält globale Angebots- und Nachfrageschätzungen für alle wichtigen Agrarrohstoffe.
Crop Production — monatlich im Wachstumszyklus (Mai–November). Ernteschätzungen auf Basis von USDA-Feldbefragungen und Satellitendaten. Oft zusammen mit WASDE veröffentlicht.
Grain Stocks — quartalsweise (März, Juni, September, Dezember). Lagerbestandserhebung — ein Überraschungs-Stocks-Report kann extreme Preisbewegungen auslösen.
Prospective Plantings — Ende März. Befragt US-Farmer zu geplanten Anbauflächen für die kommende Saison. Erste fundamentale Weichenstellung für das Erntejahr.
Acreage Report — Ende Juni. Bestätigt oder korrigiert die tatsächlich bepflanzten Flächen. Oft Auslöser für starke Tagesbewegungen in Mais und Soja.
Saisonalität & Wetter-Fenster
- Corn Pollination (Juli): Die kritischste Phase im Maiswachstum. Heißes und trockenes Wetter während der Bestäubung kann Ernteerträge erheblich mindern — mit unmittelbarer Preis-Rallye in ZC. Trader beobachten Wettermodelle (GFS, ECMWF) täglich.
- Soybean Pod Setting (August): Die Hülsenbildung bei Soja ist ähnlich wetterempfindlich wie die Corn Pollination. Trockenheit im August drückt die Ertragserwartungen und treibt ZS und ZM.
- Winter Wheat Harvest (Juni): Mit dem Einsetzen der US-Weizenernte baut sich saisonaler Angebotsdruck auf — ZW-Preise tendieren im Erntemonat typischerweise schwächer, sofern keine Qualitätsprobleme auftreten.
- Brasilien/Argentinien-Safra (Januar–Mai): Die südamerikanische Saison läuft gegensätzlich zur US-Saison. Dürre in Mato Grosso oder Überschwemmungen in der Pampa in der Südhemisphäre können die globale Soja-Bilanz drehen — auch wenn die US-Ernte tadellos war.