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Verlustausgleich Österreich — was am 31. Dezember verfällt

Verluste aus Kapitalvermögen sind in Österreich nur innerhalb desselben Kalenderjahres verrechenbar. Einen Verlustvortrag ins Folgejahr gibt es nicht — deshalb entscheidet das Timing über die Steuerlast.

📅 Stand: 09/2026 · § 27 Abs. 8 EStG

⚠️ Der teuerste Satz des österreichischen Kapitalertragsteuerrechts: Ein Verlust, der bis zum 31. Dezember keinen Gewinn desselben Jahres gefunden hat, ist weg. Nicht aufgeschoben, nicht vorgetragen — weg. Wer im Dezember 20.000 € Verlust realisiert und den Gewinn erst im Januar mitnimmt, verschenkt bis zu 5.500 € KESt.

AT vs. DE: Warum deutsche Faustregeln hier nicht greifen

Wer aus Deutschland kommt, bringt eine Denkweise mit, die in Österreich falsch ist: In Deutschland sind Verlusttöpfe eine Rücklage, die auf den nächsten guten Jahrgang wartet. In Österreich sind sie ein Verfallsdatum.

KriteriumÖsterreichDeutschland
Verlustvortrag ins Folgejahr Ausgeschlossen (§ 27 Abs. 8 Z 4 EStG) Unbegrenzt möglich, topfgebunden
Betragsgrenze bei Termingeschäften Keine War 20.000 €/Jahr — durch JStG 2024 aufgehoben
Aktien- vs. Derivate-Verluste Ein gemeinsamer Topf (§ 27 EStG, 27,5 %) Getrennte Töpfe 01 / 02
Ausgleich mit Bankzinsen Gesperrt (§ 27 Abs. 8 Z 1 EStG) Möglich innerhalb Topf 01
Automatischer Ausgleich durch die Bank Nur inländische Depotstelle (§ 93 Abs. 6 EStG) Inländische Bank, mit Verlustbescheinigung

Der österreichische Einheitstopf ist im laufenden Jahr großzügiger als das deutsche Topfsystem — ein Optionsverlust darf einen Aktiengewinn neutralisieren, was in Deutschland an der Topfgrenze scheitert. Über den Jahreswechsel hinweg ist er dafür gnadenlos.

Was sich ausgleichen lässt — und was gesperrt ist

§ 27 Abs. 8 EStG zieht vier Grenzen. Alles, was nicht darunter fällt, ist innerhalb des Kalenderjahres frei verrechenbar.

KonstellationAusgleichGrundlage
Aktienverlust ↔ Optionsgewinn ✅ Ja Einheitstopf § 27 Abs. 3/4 EStG
Aktienverlust ↔ Dividende (27,5 %) ✅ Ja Einheitstopf
Futures-Verlust ↔ Krypto-Gewinn ✅ Ja Einheitstopf, Krypto seit 01.03.2022
Kapitalverlust ↔ Sparbuch-/Girozinsen (25 %) ❌ Nein § 27 Abs. 8 Z 1 EStG
Kapitalverlust ↔ Zuwendung aus Privatstiftung ❌ Nein § 27 Abs. 8 Z 2 EStG
Kapitalverlust ↔ Lohn, Vermietung, Gewerbe ❌ Nein § 27 Abs. 8 Z 3 EStG
Kapitalverlust ↔ Gewinn des Folgejahres ❌ Nein § 27 Abs. 8 Z 4 EStG (kein Verlustabzug)
Verlust aus Regelbesteuerungsoption ⚠️ Eingeschränkt Nur mit Einkünften desselben Regimes, § 27a Abs. 5 EStG

Nicht ausgleichsfähig sind außerdem Anschaffungsnebenkosten: Spesen, Provisionen und Börsegebühren dürfen bei Einkünften, die dem besonderen Steuersatz unterliegen, nicht abgezogen werden (§ 27a Abs. 4 Z 2 EStG). Sie mindern also weder den Gewinn noch erhöhen sie den Verlust — ein Punkt, an dem die eigene Broker-Abrechnung regelmäßig von der steuerlichen Bemessungsgrundlage abweicht.

Rechenbeispiel: derselbe Trade, zwei Jahre

Ein Trader realisiert im November 2026 einen Verlust von 18.000 € aus einer Short-Put-Position. Im Depot liegt eine Aktienposition mit 22.000 € Buchgewinn.

SzenarioGewinn realisiertBemessungsgrundlageKESt 27,5 %
A — Verkauf am 20.12.2026 2026 22.000 − 18.000 = 4.000 € 1.100 €
B — Verkauf am 08.01.2027 2027 2026: 0 € (18.000 € Verlust verfällt)
2027: 22.000 €
6.050 €

Differenz: 4.950 € — allein durch 19 Tage Unterschied im Verkaufsdatum. Die wirtschaftliche Position ist in beiden Szenarien identisch; nur das Steuerjahr unterscheidet sich.

💡 Praktische Konsequenz: Der österreichische Jahresabschluss ist kein Buchhaltungstermin, sondern eine Handelsentscheidung. Wer im Dezember offene Verluste im Topf hat, sollte wissen, wie hoch sie sind — und ob es eine Gewinnposition gibt, die sich ohne Bruch der eigenen Strategie noch im alten Jahr schließen lässt.

Automatischer Ausgleich durch die Bank — und wo er endet

Inländisches Depot

Führt eine österreichische Bank das Depot, gleicht sie Gewinne und Verluste nach § 93 Abs. 6 EStG unterjährig selbst aus. Realisierst du zuerst einen Gewinn und später einen Verlust, schreibt die Bank die bereits abgezogene KESt anteilig wieder gut (Ausgleichsgutschrift). Zum Jahresende erhältst du eine Bescheinigung über den durchgeführten Ausgleich.

Der Ausgleich umfasst nur Depots derselben Bank und nur natürliche Personen mit Privatvermögen. Betriebliche Depots, Gemeinschaftsdepots und Treuhandkonten sind ausgenommen.

Mehrere Banken

Gewinn bei Bank A, Verlust bei Bank B: Keine der beiden sieht die andere Seite. Der Ausgleich findet dann erst in der Veranlagung statt — du erklärst beide Depots gemeinsam und holst dir die zu viel abgezogene KESt über den Bescheid zurück. Dafür brauchst du von jeder Bank die Steuerbescheinigung.

Ausländischer Broker (IBKR, DEGIRO, Trade Republic)

Hier gibt es weder KESt-Abzug noch Ausgleichsgutschrift. Sämtliche Realisierungen des Jahres werden von dir zusammengerechnet und über Formular E 1kv erklärt — Gewinne und Verluste in einer Summe je Ertragsart. Genau deshalb ist die eigene Aufzeichnung hier keine Kür: Ohne saubere Jahresübersicht ist der Verlustausgleich nicht belegbar, und ohne Beleg entfällt er.

Termine, die den Ausgleich entscheiden

DatumBedeutung
31.12. Stichtag des Verlustausgleichs. Maßgeblich ist der Realisierungszeitpunkt (Ausführung des Trades), nicht das Settlement und nicht die Belastung auf dem Verrechnungskonto.
30.04. Folgejahr Abgabefrist Einkommensteuererklärung in Papierform.
30.06. Folgejahr Abgabefrist über FinanzOnline — der Regelfall bei Auslandsbrokern.
+ 1 Jahr Quotenregelung bei steuerlicher Vertretung: verlängerte Frist über den Steuerberater.

⚠️ Bei Handel an US-Börsen liegt der letzte Handelstag des Jahres wegen der Zeitverschiebung teilweise nach österreichischem Mitternacht. Maßgeblich ist die Ausführung nach dem Handelszeitpunkt — bei Trades am 31.12. abends lohnt der Blick in die Ausführungsbestätigung.

Häufige Fragen

Kann ich Verluste aus 2026 mit Gewinnen aus 2027 verrechnen?

Nein. Österreich kennt für Einkünfte aus Kapitalvermögen keinen Verlustvortrag — § 27 Abs. 8 Z 4 EStG schließt den Verlustabzug nach § 18 Abs. 6 EStG ausdrücklich aus. Ein Verlust, der bis zum 31. Dezember nicht mit einem Gewinn desselben Kalenderjahres verrechnet werden konnte, ist steuerlich endgültig verloren. Das ist der schärfste Unterschied zu Deutschland, wo Verlusttöpfe unbegrenzt vorgetragen werden.

Kann ich Aktienverluste mit Sparbuchzinsen verrechnen?

Nein. Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten (Giro, Sparbuch) unterliegen dem Sondersatz von 25 % nach § 27a Abs. 1 Z 1 EStG und bilden einen eigenen Topf. § 27 Abs. 8 Z 1 EStG verbietet den Ausgleich von Verlusten aus Kapitalvermögen mit diesen Zinserträgen. Ebenfalls gesperrt: der Ausgleich mit Zuwendungen aus Privatstiftungen (Z 2) und mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten wie Lohn oder Vermietung (Z 3).

Muss ich den Verlustausgleich bei IBKR selbst beantragen?

Ja. Den automatischen Verlustausgleich nach § 93 Abs. 6 EStG führen nur inländische depotführende Stellen durch (Erste Bank, BAWAG, Flatex AT, DADAT, Hello Bank) — und auch nur innerhalb der bei ihnen geführten Depots. Bei Interactive Brokers, DEGIRO oder Trade Republic gibt es keinen KESt-Abzug und damit auch keine Ausgleichsgutschrift: Du rechnest sämtliche Gewinne und Verluste selbst in der Veranlagung über Formular E 1kv gegeneinander.

VertiefungOptionen & Termingeschäfte ÖsterreichShort-/Long-Optionen, Futures, CFDs — kein 20k-LimitVertiefungKESt bei Auslandsbroker — E 1kv ausfüllenFelder-Mapping IBKR-Bericht → E 1kv, Umrechnungskurse, Fristen

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Matthias Sax
Matthias Sax — Aktiver Trader & Fintech-Gründer
Handelt selbst an ausländischen Brokern und kennt die Jahresend-Mechanik der KESt-Selbstveranlagung aus der Praxis.
Mehr über den Gründer →

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Dieser Inhalt ist allgemeine Information — keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für verbindliche Aussagen wende dich an einen österreichischen Steuerberater. Stand: 09/2026.

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