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🔬 Analyse-Methoden

Chartintervalle & Multi-Timeframe, Andrews Pitchfork, Pivot-Punkte und das Relative-Staerke-Konzept

1. Chartintervalle & Multi-Timeframe-Analyse

Jeder Trader handelt auf einem Zeitintervall -- aber die wenigsten schauen, was das uebergeordnete Intervall sagt. Das Top-Down-Prinzip loest dieses Problem: zuerst den primaeren Trend verstehen, dann das Setup suchen, dann den Entry feinjustieren.

Welches Intervall fuer welchen Stil?

StilAnalyse-ChartSetup-ChartEntry-Chart
Intraday60 Min15 Min5 Min
Swing (2-10 Tage)WocheTag4 Stunden
Position (Wochen/Monate)MonatWocheTag

Das Top-Down-Prinzip

  1. Wochenchart: Wo steht der primaere Trend? Aufwaerts, seitwaerts oder abwaerts?
  2. Tageschart: Wo liegt das konkrete Setup -- Ausbruch, Pullback, Bodenbildung?
  3. Stundenchart: Wo genau ist der Entry mit engem Stopp?
Eiserne Regel: Nie gegen den uebergeordneten Trend einsteigen. Ein Long-Setup im Tageschart ist nur dann valide, wenn der Wochenchart einen intakten Aufwaertstrend zeigt. Tut er das nicht, ist es ein Counter-Trend-Trade -- hoehere Fehlerquote, engerer Stopp noetig.

Praxis-Tipp: Oeffne immer mindestens zwei Charts uebereinander (Woche + Tag). Charting-Programme wie TradingView erlauben das mit geteiltem Bildschirm. Wer nur einen Chart ansieht, sieht nur einen Teil des Bildes.

2. Andrews Pitchfork

Das Andrews Pitchfork (nach Alan Andrews) ist ein Trendkanal-Werkzeug, das mit drei Pivot-Punkten einen Mediankanal konstruiert. Es zeigt, wo der Kurs statistisch wieder zur Mitte zurueckkehren duerfte -- und wo die Extremzonen liegen.

Konstruktion: die A-B-C-Methode

  1. Punkt A: Ein markanter Hochpunkt oder Tiefpunkt (Startpunkt des Pitchforks)
  2. Punkt B: Das naechste signifikante Gegentief (wenn A ein Hoch war)
  3. Punkt C: Das naechste Hoch nach B (hoeher als B, aber unter A)

Der Median (mittlere Linie) verlaeuft von A durch den Mittelpunkt von B-C. Die obere und untere Linie verlaufen parallel durch B bzw. C.

Signale am Pitchfork

SituationSignalAktion
Kurs testet Median von untenWiderstandShort-Setup oder Gewinnmitnahme
Kurs testet Median von obenUnterstuetzungLong-Setup
Kurs erreicht obere LinieObere ExtremzoneVorsicht Long, moeglicher Rebound zurueck zur Mitte
Kurs bricht unter untere LinieStrukturbruchPitchfork neu zeichnen, Trend gebrochen
Kernprinzip: Maerkte haben eine Tendenz zur Rueckkehr zur Mitte (Mean Reversion). Das Pitchfork macht diesen Schwerpunkt sichtbar. Haelt der Kurs den Median als Unterstuetzung, ist der Trend intakt. Bricht er darunter, ist Vorsicht geboten.

Pitchforks funktionieren am besten in Trend-Maerkten mit klaren Swing-Punkten. In Seitwaertsphasen verlieren sie ihre Aussagekraft -- dann lieber klassische horizontale S/R-Levels nutzen.

3. Pivot-Punkte

Pivot-Punkte sind berechnete Preis-Level, die auf dem gestrigen Handelstag basieren. Sie gehoeren zu den am weitesten verbreiteten Werkzeugen unter professionellen Tradern -- weil viele Marktteilnehmer sie gleichzeitig beobachten, erhalten sie eine selbsterfuellende Wirkung.

Berechnung der Standard-Pivots

LevelFormelBedeutung
PP (Pivot Point)(H + L + C) / 3Zentrum des Handelsbereichs
R1 (Resistance 1)2 × PP − LErster Widerstand
R2 (Resistance 2)PP + (H − L)Zweiter Widerstand
S1 (Support 1)2 × PP − HErste Unterstuetzung
S2 (Support 2)PP − (H − L)Zweite Unterstuetzung

H = gestriges Hoch, L = gestriges Tief, C = gestriger Schluss

Zwei Trading-Setups

  1. Bounce am Pivot: Kurs naehert sich PP oder S1 an, zeigt Umkehr-Kerze -> Long mit Stopp unterhalb des Levels
  2. Breakout durch Pivot: Kurs bricht R1 mit Volumen -> Long mit Kursziel R2, Stopp zurueck unter R1

Tages-Pivots vs. Wochen-Pivots

Tages-Pivots (berechnet aus gestrigem Tag) eignen sich fuer Intraday und Swing-Trading bis 2-3 Tage. Wochen-Pivots (berechnet aus der letzten Handelswoche) sind fuer laengere Swing-Positionen relevanter. In TradingView sind beide mit einem Klick verfuegbar (Indikatoren -> "Pivot Points Standard").

4. Relative Staerke -- Das RS-Konzept

Das RS-Konzept (nicht zu verwechseln mit dem RSI-Indikator) beantwortet eine einfache Frage: Ist diese Aktie staerker oder schwaecher als der Gesamtmarkt? Staerke kaufen, Schwaehe meiden -- das ist das Grundprinzip der Aktien-Selektion nach Mansfield und Minervini.

Was ist Relative Staerke?

Die Relative Staerke einer Aktie berechnet sich als Verhaeltnis der Aktien-Performance zur Index-Performance ueber einen bestimmten Zeitraum. Liegt die RS-Linie steigend im Chart, outperformt die Aktie den Markt. Eine fallende RS-Linie signalisiert Underperformance -- selbst wenn der Kurs absolut steigt.

RS-LinieBedeutungTrading-Konsequenz
Steigend + neue HochsAktie schlaegt den MarktKaufkandidat in starkem Markt
FlachAktie haelt mit dem Markt mitNeutral -- gibt bessere Kandidaten
FallendAktie verliert gegenueber MarktMeiden -- bei Maerkt-Schwaeche faellt sie mehr

Verbindung zum Minervini Trend Template

Das RS-Rating >= 70 ist Kriterium Nr. 8 des Minervini Trend Templates (Modul 6.7). Es stellt sicher, dass eine Aktie nur dann als Stage-2-Kandidat gilt, wenn sie nicht nur im Aufwaertstrend ist, sondern auch staerker als 70 % des Universums performt. RS und Trend Template erganzen sich: das Template filtert die Trendstruktur, RS filtert die relative Staerke.

In TradingView: Oeffne zwei Charts uebereinander (Aktie + Index), oder nutze den "Compare"-Modus. Viele Broker-Tools zeigen die RS-Linie als separaten Indikator. IBD (Investor's Business Daily) publiziert woechentlich RS-Ratings fuer US-Aktien.