14.21

💰 Kapitalbedarf von Optionen — was die Zahl bedeutet

Das Dashboard-Widget „Kapitalbedarf von Optionen" erklärt: sechs Berechnungsklassen, Auslastung je Konto, Tag-Filter und der Hebel-Regler.

1. 🧭 Worum geht es hier?

Ganz oben auf dem Dashboard sitzt das Widget 💰 Kapitalbedarf von Optionen. Es beantwortet eine Frage, die jeder Stillhalter kennt: „Wie viel meines Geldes ist gerade durch offene Optionsstrategien gebunden — und wie viel Luft habe ich noch?"

Das Wichtigste zuerst: Die Zahl kommt nicht vom Broker. Sie ist keine Margin-Anforderung aus einer Broker-Schnittstelle, sondern wird von sTraderZ.com pro offener Strategie selbst gerechnet — nach festen, nachvollziehbaren Formeln, die dieses Kapitel offenlegt. Das macht die Zahl broker-unabhängig vergleichbar, heißt aber auch: Sie ist eine Planungsgröße, keine exakte Wiedergabe dessen, was dein Broker gerade als Margin blockt.

Dieses Kapitel erklärt dir der Reihe nach:

  • Worauf die Zahl basiert — die sechs Berechnungsklassen mit ihren Formeln, durchgerechnet an Beispielen.
  • Wie du das Widget bedienst — Statusleiste, Kontokarten, Tag-Block, Positionstabelle und der ⚙️-Hebel-Regler.
  • Warum sich Konten unterscheiden — und warum der Kontotyp dabei keine Rolle spielt.
  • Ein Stolperstein — die zwei verschiedenen „Hebel" auf demselben Dashboard.
Grundlagen — Die App kennenlernenDashboard-Rundgang · wo finde ich was?Der geführte Überblick über Dashboard, Seitenleiste und Arbeitsbereiche

2. 🧮 Worauf die Zahl basiert — sechs Berechnungsklassen

Jede offene Optionsstrategie wird anhand ihres erkannten Strategietyps einer von sechs Berechnungsklassen zugeordnet. Jede Klasse hat eine eigene Formel:

KlasseFormelStrategien
Cash-SecuredStrike × Multiplikator × KontrakteShort Put, Cash-Secured Put
Credit Spread(Strike-Abstand × Multiplikator × Kontrakte) − vereinnahmte PrämieBull Put Spread, Bear Call Spread, Iron Condor, Iron Butterfly
Debitgezahlte NettoprämieLong Call, Long Put, Bull Call Spread, Bear Put Spread, Long Straddle, Long Strangle, Calendar Spread, Diagonal Spread, PMCC, Married Put
Undefined Risk ℹ️20 % × Strike × Multiplikator × KontrakteShort Call, Short Straddle, Short Strangle
Short-Stock-Backed ℹ️50 % × Stückzahl × AktienkursCovered Put, Protective Call
Aktiengedeckt0 €Covered Call — gedeckt durch die Aktien, nicht durch Cash

Zwei durchgerechnete Beispiele:

  • Short Put, Strike 50 €, 1 Kontrakt, Multiplikator 100:
    50 × 100 × 1 = 5.000 € — genau der Betrag, den du bräuchtest, wenn dir die Aktien angedient werden.
  • Bull Put Spread 50/45, 1 Kontrakt, vereinnahmte Prämie 1,20 $ je Aktie (= 120 $ gesamt):
    (5 × 100 × 1) − 120 = 380 $ — der maximal mögliche Verlust, denn mehr als die Spread-Breite abzüglich der Prämie kannst du nicht verlieren.

Feinheiten, die die Formeln berücksichtigen:

  • Beim Iron Condor zählt nur die breitere der beiden Spread-Seiten — der Kurs kann am Verfallstag nur auf einer Seite landen, also kann auch nur eine Seite Verlust machen.
  • Bei teilgeschlossenen Strategien wird die vereinnahmte Prämie anteilig auf die noch offenen Kontrakte heruntergerechnet.
  • Bereits abgelaufene Optionsbeine binden kein Kapital mehr und fallen aus der Rechnung heraus.
  • Alle Beträge werden in EUR ausgewiesen — umgerechnet mit dem am Trade hinterlegten Wechselkurs (ersatzweise mit einer Näherungstabelle).
ℹ️
Zwei Klassen sind bewusst nur Näherungen.
Undefined Risk (Short Call, Short Straddle, Short Strangle) hat theoretisch unbegrenztes Risiko — es gibt keine exakte Deckungsgröße, die 20-%-Regel ist eine verbreitete Risikoschätzung. Short-Stock-Backed (50 % des Aktienwerts) ist ebenfalls eine Schätzung der typischen Margin-Anforderung für die Short-Aktienposition. Deshalb tragen diese Gruppenzeilen im Widget ein ℹ️-Symbol.

Und was ist mit dem Rest? Die Strategie-Erkennung kennt insgesamt 41 Strategietypen22 davon sind einer der sechs Klassen zugeordnet. Die übrigen 19 (z. B. Collar, Butterflies, Ratio Spreads, Backspreads, Jade Lizard, Double Calendar, Risk Reversal sowie als „Custom"/„Unbekannt" erkannte Konstrukte) haben keine saubere, allgemeingültige Berechnungsbasis. Sie landen bewusst bei „❓ nicht berechenbar" in der Fußzeile des Widgets — eine ehrliche Lücke ist besser als eine falsche Zahl, die du für bare Münze nimmst.

Offene Short-Put-Kontrakte, die (noch) keiner erkannten Strategie zugeordnet sind, werden per Heuristik trotzdem als Cash-Secured gerechnet und in der Fußzeile als „Sonstige / nicht klassifiziert" ausgewiesen — so fällt kein gebundenes Kapital unter den Tisch.

3. 🖥️ Das Widget im Detail

So sieht das aufgeklappte Widget mit Beispieldaten aus (vereinfachte Nachbildung — die Zahlen sind fiktiv):

💰 Kapitalbedarf von Optionen ⚙️ Hebel
67.400 € 75 % gebunden · 22.600 € frei von 90.000 €
IBKR Depot×2
46.700 €
51 %91.400 € Cash
Margin-Konto
8.200 €
> 100 %−1.400 € Cash
GmbH-Depot
12.500 €
kein aktueller Kontostand
1 Konten ohne Kapitalbedarf: Krypto-Konto
Wheel28.400 €42 %
Vola21.300 €32 %
ohne Tag15.600 €23 %
Earnings9.100 €14 %
⚠️ Die Anteile ergeben zusammen mehr als 100 % — AMZN trägt mehrere Tags und zählt mehrfach.
StrategieKonto
PositionKontoBedarf
Cash-Secured Put · 3 Pos.34.200 €
AMZN 2× · 20.03.26 Wheel VolaIBKR Depot24.800 €
NVDA 1× · 20.02.26 VolaIBKR Depot6.200 €
MSFT 1× · 17.04.26GmbH-Depot3.200 €
Bull Put Spread · 2 Pos.760 €
SPY 2× · 20.02.26 EarningsMargin-Konto460 €
QQQ 1× · 20.03.26Margin-Konto300 €
Sonstige / nicht klassifiziert 1.850 € · ❓ 2 nicht berechenbar

Gehen wir die Bausteine von oben nach unten durch:

Kopfzeile. Das Widget startet grundsätzlich zugeklappt — aufgeklappt ist es der höchste Block des Dashboards. Zugeklappt zeigt die Kopfzeile die Kennzahl kompakt (Gesamtbedarf, Auslastung, Mini-Balken); ein Klick auf die Kopfzeile klappt auf und zu.

Statusleiste. Ganz oben stehen der Gesamtbedarf über alle Konten, die Auslastung in Prozent (Bedarf ÷ Kassenbestand), das freie Cash und ein Ampelbalken. Die Schwellen: unter 70 % grün, unter 90 % gelb, darüber rot. Wichtig zum Verständnis: Der Kapitalbedarf ist eine Teilmenge des Kassenbestands, keine zusätzliche Summe — „frei" ist schlicht der Rest. Übersteigt der Bedarf den Kassenbestand (z. B. durch den Hebel), erscheint statt des freien Betrags ein rotes Badge „▲ … über Kapazität".

Kontokarten. Jede Karte zeigt Bedarf, Auslastungsbalken und Kassenbestand eines Kontos. Ein Klick auf eine Karte filtert die Positionstabelle auf dieses Konto (nochmal klicken hebt den Filter auf). Die Karten kennen drei Zustände:

  • Positives Cash: Prozentwert und Ampelbalken wie in der Statusleiste (im Beispiel: IBKR Depot, 51 %).
  • Konto im Soll (Cash ≤ 0): Es gibt keinerlei Deckung — die Karte zeigt „> 100 %" mit vollem rotem Balken statt einer gerechneten Zahl, denn Bedarf ÷ negatives Cash ergäbe keinen sinnvollen Wert (im Beispiel: Margin-Konto).
  • Kein Kontostand bekannt: Der Bedarf wird trotzdem ausgewiesen, nur die Auslastung entfällt (im Beispiel: GmbH-Depot).

Das kleine ×2-Badge erscheint nur auf Karten, deren Hebel-Divisor von 1,0 abweicht — der ausgewiesene Bedarf dieser Karte ist dann bereits durch den Hebel geteilt. Konten ganz ohne offene Optionsstrategien tauchen nicht als Karte auf, sondern nur in der Zeile „… Konten ohne Kapitalbedarf".

Tag-Block. Darunter siehst du die Kapitalbindung je Tag — praktisch, wenn du Strategien wie „Wheel" oder „Vola" über Tags organisierst. Ein Klick auf eine Zeile filtert die Tabelle (mehrere Tags gleichzeitig möglich, ODER-verknüpft). Aber Achtung: Tags sind keine Aufteilung — anders als Konto und Strategie. Eine Position kann mehrere Tags tragen, die Summen überlappen sich und ergeben zusammen mehr als den Gesamtbedarf. Genau deshalb zeigt der Block einzelne Balken untereinander statt eines gestapelten (ein Stapel würde eine Aufteilung behaupten, die es nicht gibt) — und sobald mindestens eine Position mehrfach zählt, erscheint der ⚠️-Hinweis mit den betroffenen Symbolen.

Positionstabelle. Die Tabelle listet jede offene Strategie mit Symbol, Kontraktzahl, Verfallsdatum, Tags, Konto und Bedarf — gruppiert wahlweise nach Strategie oder nach Konto (Umschalter oben rechts). Ein ℹ️ an der Gruppenzeile markiert die Näherungsklassen aus Sektion 2. Ein Klick auf eine Zeile öffnet das Trade-Detail-Modal — dasselbe wie bei „Offene Positionen". Die Fußzeile sammelt die Restposten: „Sonstige / nicht klassifiziert" und „❓ … nicht berechenbar".

⚙️ Hebel. Der Button in der Kopfzeile öffnet pro Konto einen Schieberegler:

IBKR Depot 0,5 | 1,0 6,0 ×2,00 💾

Der Regler läuft von 0,5 bis 6,0 in 0,05er-Schritten; die Marke bei 1,0 ist der neutrale Punkt, an dem der Divisor nichts verändert. Der 💾-Button wird erst aktiv, wenn du den Wert verändert hast. Was der Hebel genau bewirkt, klärt die nächste Sektion.

4. 🏦 Warum sich Konten unterscheiden

Vorweg das häufigste Missverständnis: Der Kontotyp spielt keine Rolle. Ob Cash-Konto, Margin-Konto oder GmbH-Depot — es gelten für alle dieselben Formeln aus Sektion 2. Wenn zwei Konten unterschiedliche Auslastungen zeigen, hat das genau drei mögliche Quellen:

QuelleWirkung
1. Was im Konto liegtNicht die Anzahl der Positionen entscheidet, sondern ihre Zusammensetzung. Ein einziger Cash-Secured Put auf eine 250-$-Aktie bindet 25.000 $ — mehr als zehn enge Credit Spreads zusammen. Ein Konto mit weniger Positionen kann deshalb deutlich mehr Kapital binden.
2. Der Hebel-DivisorPro Konto einstellbar (⚙️-Regler). Er teilt den errechneten Bedarf — aber nur für die Klassen Cash-Secured, Short-Stock-Backed und Undefined Risk. Credit Spreads und Debit-Positionen bleiben unberührt, denn deren Bedarf ist bereits der tatsächliche Maximalverlust — den kann kein Hebel kleiner machen.
3. Der Cash-BestandDie Auslastung ist Bedarf ÷ Kassenbestand. Gleicher Bedarf, halber Kontostand → doppelte Auslastung. Der Kassenbestand kommt aus dem jeweils jüngsten Konto-Snapshot.

Wozu der Hebel-Divisor? Auf einem Margin-Konto verlangt der Broker für einen Short Put real nur einen Bruchteil der vollen Cash-Deckung. Wer dort mit Hebel 2,0 arbeitet, sagt dem Widget: „Rechne mir die voll besicherten Positionen mit halbem Kapitaleinsatz an — so handle ich tatsächlich." Auf einem reinen Cash-Konto gehört der Regler auf 1,0. Werte unter 1,0 funktionieren als bewusster Sicherheitspuffer: Bedarf ÷ 0,8 weist mehr Kapital aus, als die Formel ergibt.

⚠️
Der Hebel ändert nur die Anzeige, nicht dein Risiko.
Ein hoher Divisor lässt die Auslastung freundlicher aussehen — die Andienung eines Short Puts kostet trotzdem den vollen Strike-Gegenwert. Stell den Regler auf das ein, was dein Broker und dein Risikomanagement wirklich hergeben, nicht auf das, was die Ampel grün macht.

5. ⚠️ Stolperstein: zwei verschiedene „Hebel"

Auf demselben Dashboard begegnen dir zwei Werte, die beide „Hebel" heißen — und die grundverschiedene Dinge tun. Sie werden entsprechend leicht verwechselt:

Kontotabelle „Hebel"Kapitalbedarf-Widget „⚙️ Hebel"
BedeutungMessgröße — risikogewichtetes Exposure ÷ KontowertStellgröße — ein Divisor, den du selbst setzt
Wer bestimmt siewird aus deinen Positionen berechnetder Nutzer, per Schieberegler
Wirkt aufnichts — reine Anzeige mit Ampelfarbeden ausgewiesenen Kapitalbedarf (nur Cash-Secured, Short-Stock-Backed, Undefined Risk)

Konkret: Steht in der Kontotabelle „1.45x", ist das keine Einstellung, die irgendjemand vorgenommen hat — es ist ein Ergebnis. Es besagt: Dieses Konto trägt 45 % mehr Risiko-Exposure, als es Kontowert hat. Du kannst diesen Wert nicht direkt „umstellen"; er ändert sich nur, wenn sich deine Positionen oder dein Kontowert ändern.

Der ⚙️-Hebel im Kapitalbedarf-Widget ist das Gegenteil: eine Zahl, die du festlegst, damit die Bedarfsrechnung zu deinem Margin-Rahmen passt. Er misst nichts — er skaliert die Anzeige.

💡
Merksatz
Der Hebel in der Kontotabelle beschreibt, wie du positioniert bist. Der ⚙️-Hebel im Widget beeinflusst, wie der Kapitalbedarf gerechnet wird. Der eine ist ein Thermometer, der andere ein Thermostat.