Was passiert nach dem Trade?
Im Kopf der meisten Trader endet ein Trade mit dem „Filled"-Banner im Broker. In Wirklichkeit beginnt erst danach die eigentliche Abwicklungskette:
Execution (Ausführung an der Börse) → Clearing (Netting und Risikoübernahme durch CCP) → Settlement (Geld und Wertpapiere wechseln tatsächlich den Besitzer).
Zwischen Execution und Settlement liegen je nach Asset und Region 1-2 Werktage. In dieser Zeit trägt die Clearinghouse das Risiko, dass eine Seite ausfällt.
T+1 und T+2
| Asset / Region | Settlement-Frist | Hinweis |
|---|---|---|
| USA — Aktien, ETFs, Corporate Bonds | T+1 | Seit 28. Mai 2024 (vorher T+2). Kanada und Mexiko ebenfalls T+1. |
| Europa (DACH) — Aktien, ETFs | T+2 | EU prüft Umstellung auf T+1 (geplant ab Oktober 2027). |
| US-Optionen | T+1 | Über OCC gecleart. |
| Futures | Intraday / T+1 | Daily Mark-to-Market, Margin-Berechnung am Tagesende. |
| Forex Spot | T+2 | USD/CAD ausnahmsweise T+1. |
| Staatsanleihen (US Treasuries) | T+1 | Schon länger T+1, war Vorbild für die 2024er-Aktien-Umstellung. |
Clearinghouse (CCP)
Die Central Counterparty tritt nach der Ausführung zwischen die beiden Handelspartner und wird zur Gegenpartei beider Seiten. Das eliminiert das direkte Kontrahentenrisiko: Egal ob die Gegenseite pleitegeht — die CCP garantiert die Abwicklung durch Margin-Einlagen aller Clearing-Mitglieder und einen Default-Fonds.
| CCP | Region | Zuständigkeit |
|---|---|---|
| Eurex Clearing | 🇩🇪 DE / EU | Xetra-Aktien, Eurex-Derivate |
| LCH (London Clearing House) | 🇬🇧 UK / FR / US | SwapClear (OTC-Zinsswaps, Weltmarktführer), RepoClear |
| OCC (Options Clearing Corporation) | 🇺🇸 US | Alle US-Aktien-Optionen |
| DTCC / NSCC | 🇺🇸 US | US-Aktien und ETFs |
| CME Clearing | 🇺🇸 US | CME-Futures (E-Mini S&P, Öl, Agrar) |
Kontrahentenrisiko
Ohne CCP müsstest du bei jedem Trade individuell mit deinem Gegenüber abwickeln und hoffen, dass es nicht pleitegeht.
Depotbank & Wertpapiersammelbank
Wertpapiere werden heute nicht mehr physisch bewegt — sie liegen als Buchungseinträge bei Central Securities Depositories (CSDs), also Wertpapiersammelbanken.
| CSD | Region | Verwahrt |
|---|---|---|
| Clearstream | 🇩🇪 DE / 🇱🇺 LUX | Deutsche Aktien und Anleihen, internationale Eurobonds |
| DTC (Depository Trust Company) | 🇺🇸 US | Praktisch alle US-Aktien |
| SIX SIS | 🇨🇭 CH | Schweizer Aktien und Anleihen |
| OeKB CSD | 🇦🇹 AT | Österreichische Wertpapiere |
| Euroclear | 🇧🇪 BE / international | Europäisches Pendant zu Clearstream |
Dein Broker hält dein Depot bei einem oder mehreren dieser CSDs. Wichtig: In Deutschland sind Kundendepots als Sondervermögen rechtlich getrennt vom Broker-Vermögen — bei Broker-Insolvenz bleiben deine Aktien dein Eigentum.
Einlagensicherung
Die wichtigste Unterscheidung, die viele Anleger übersehen:
| Region | Einlagen (Cash) | Wertpapiere |
|---|---|---|
| 🇩🇪 Deutschland | 100.000 € EdB (gesetzlich) + freiwillige Sicherung einzelner Banken | Sondervermögen, nicht betroffen |
| 🇦🇹 Österreich | 100.000 € ESA (Einlagensicherung Austria) | Sondervermögen |
| 🇨🇭 Schweiz | 100.000 CHF esisuisse | Sondervermögen |
| 🇺🇸 USA | $250.000 FDIC (für Banken) / $250.000 SIPC-Cash (für Broker) | $500.000 SIPC (bei Broker-Dealer-Insolvenz) |
| 🇪🇺 EU allgemein | 100.000 € pro Bank | MiFID II: Kundenvermögen muss getrennt verwahrt werden |
Ausnahmen: Nicht-EU-Broker ohne entsprechende Regulierung (Offshore-CFD-Anbieter, manche Krypto-Plattformen) fallen nicht unter diese Schutzsysteme. Dort liegt dein Vermögen rechtlich im Risiko.
💡 Bei deutschen Brokern wie Trade Republic, Comdirect oder DKB sind deine Aktien in der Regel bei Clearstream verwahrt — sie bleiben auch bei Broker-Pleite dein Eigentum, weil sie als Sondervermögen nicht zur Insolvenzmasse gehören.